Nebelleben.

eine gemeinschaftsarbeit von schülern, ehemaligen und freunden des stephaneums zu aschersleben.

„Ich nehme ein Buch in Angriff, wie man sich aufmacht, um ein paar Minuten mit einem Freund zu verbringen, den man gern hat“ (William Faulkner)

Dieses Leitmotiv wurde mit diesem werk ganz eigen interpretiert. es beinhaltet eine kreative sammlung von prosatexten, lyrik, bildern und grafiken.
eine vielfarbige gedanken- und stimmungswelt treffen aufeinander, vermischen sich im nebel und sind so in diesem buch unweigerlich miteinander verbunden, so heißt es im vorwort.
einige werke aus diesem buch sind in der ausgabe 1/2009 der Losen Blätter des Verbandes ehemaliger Schüler des Stephaneums zu Aschersleben vorgestellt.
ein beispiel, welches ich sehr schön finde:

Für ein Neugeborenes
von Philipp Werner

Kleiner Mensch, noch unverdorben,
Liegst Du da und wartest, dass
Uns`re Menschheit Dich erzieht
Zu Sittsamkeit, Vernunft und Hass.
Vor Dir liegen viele Stunden
Voller Mahnung, Strafen, Pein,
Und am Ende, sei Dir sicher –
Wird von Dir nichts übrig sein.
Durch die Augen Deiner Eltern
Wirst Du schau`n, was Dich umgibt,`
Hassen, was Dein Vater hasst
Und lieben, was die Mutter liebt.
Und Erzieher und die Lehrer,
Jeder trägt was dazu bei,
Dass Dein Pfad durch die Gesellschaft
Recht normal und fade sei.
Schau nicht links und rechts des Weges,
Denn dort wächst mach süße Frucht
Die verführt den Mensch`zum Träumen,
Träumen, das ist nichts als Flucht.
Flucht vor dem realen Leben,
Wo man leisten, leisten kann.
Leistung reimt sich auf Verheißung,
Heißa! Leistung, das ist fun!
Fun, der zweite Punkt im Leben,
Ohne den schier nichts mehr geht,
Spaß, je flacher desto besser,
Man braucht Spaß von früh bis spät.
Spaß am Leiden and`rer Leute
Leiden zeigt das Fernsehn gern –
Vor Gericht, im Talk, in Dokus –
Schadenfroh, so sieht man fern.
Spaß an Alk und lauter Mucke,
bloß kein Text, und bloß kein Sinn.
Bloß den Smalltalk nicht vertiefen,
Denn sonst ist die Stimmung hin.
Spaß und Stimmung auch im Urlaub,
20 Tage Leistungsstopp
Ausland, aber deutsches Essen,
All inklusive, Schwips im „Kopp”.
Davon möglichst tausend Fotos,
Mit der neuen Handycam
Umso größer ist der Neid
Der daheim weiter Leistenden.
Spaß am And`re neidisch machen
Auf Klamotten, Haus und Benz,
auf Familienglück, viel Geld
Und gute Leistungsreferenz.
Spaß am … ach, ich lass es bleiben,
Diese Liste hat kein Ende.
Täglich wird sie lang und länger –
Täglich, stetig seit der Wende.
Kleiner Mensch, noch unverdorben,
liegst Du da, doch nun steh auf,
Nur bei Zeiten selbst zu stehn
Erspart Dir solch ein` Lebenslauf.
Träume schamlos, phantasiere,
Da ist mehr als hohler fun,
Heißa! Da ist mehr als Leistung!
Da ist mehr als Massenwahn.
Beine breit, den Kopf im Nacken,
Auch nachts ist Licht am Himmelszelt.
Wache Träumer braucht das Land, nein –
Wache Träumer braucht die Welt.

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5 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. André
    Dez 20, 2010 @ 21:32:04

    joah, obwohl ich nicht gerade der gedichts-fan bin, garnicht ma so übel 😀

    Antwort

  2. Andre
    Dez 21, 2010 @ 11:41:08

    ach echt ja?! der is aber kein ehemaliger stephaner, er war ascaneum 😉

    aber er hats schon drauf

    Antwort

  3. André
    Dez 21, 2010 @ 21:52:29

    aso, allet klaa ^^

    Antwort

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